Dienstag, 12. Februar 2013

Robinie auf dem Gänsemarkt

Ort: Gänsemarkt
Baumart: Robinie (Robinia pseudoacacia)
Zeit: November 2012
Foto: Meiko Haselhorst (NW)




Die Hure des Waldes

IN HERFORD VERWURZELT (21): Warum die Robinie einen so schlechten Ruf hat

Von Meiko Haselhorst (NW 22.11.2012)

Herford (hazl). Eigentlich hat er an diesem Tag gar keine Zeit. Seit Uwe Höcker Baumexperte der Neuen Westfälischen ist, sind sein Rat und seine Tat allerorten gefragt (siehe oben). Dann sagt er aber doch ein paar Takte zur Robinie - und beginnt seine Ausführungen gleich mit einem knackigen Spruch: "Die Robinie ist die Hure des Waldes."

"Sie ist extrem anspruchslos, nimmt jeden Boden und jeden Standort hin, ohne zu murren, Schutt, Halden, einfach alles", sucht Höcker nach einer Erklärung für den wenig schmeichelhaften Zusatznamen. Extrem anspruchslos also - war das nicht schon bei der Platane so? "Die Robinie ist noch schlimmer. Danach kommt nur noch Plastik", sagt Höcker.

Dann wird er sachlicher. "Der Baum wurde 1640 vom französischen Botaniker Jean Robin - daher der Name des Baumes - aus Nordamerika nach Europa gebracht", erklärt er.

Der Baum ist in der Jugend sehr raschwüchsig. Daher, so Höcker, werde sie gerne zur schnellen Begrünung von kahlen Hängen und neu erschlossenen Flächen verwendet. Im Alter, so der Experte weiter, sei die bis zu 25 Meter hohe und 20 Meter breite Krone schirmförmig und gebe ein exotisches Bild ab.

Noch markanter als der Wuchs sind die gefiederten Blätter und vor allem die kantige und von tiefen Furchen durchzogene Rinde, die die Robinie auch im Winter sofort als eine solche verrät. Die weite Verbreitung des Baumes ist einerseits auf die erwähnte Anspruchslosigkeit zurückzuführen, die sie bei Grünplanern in Städten häufig zur einzigen Option macht - ähnlich wie die Platane.

Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch die wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten: Das gegen Fäule widerstandsfähige Holz ist gleichzeitig biegsam, fest und äußerst hart. Es wird im Schiff- und Möbelbau, als Grubenholz, als Schwellenholz und im traditionellen Bogenbau verwendet.

Es gilt als noch widerstandsfähiger und dauerhafter als Eichenholz. Da es ohne chemische Konservierungsbehandlung bei einer Nutzung im Außenbereich lange stabil bleibt, ist es für den Bau von Gartenmöbeln und von Geräten auf Kinderspielplätzen sehr gefragt.

Im Frühling sehen die weißen, in Trauben am Baum hängenden Blüten sehr schön aus. Die stark duftende Robinie ist in dieser Zeit eine wichtige Futterpflanze für Bienen. Ergebnis ist der allseits beliebte Akazienhonig, obwohl es sich bei der Robinie nur um eine sogenannte Schein-Akazie handelt. Die Samen sind für Ziegen und andere Tiere ein Leckerbissen, für den Menschen jedoch giftig - wie übrigens auch die Rinde.

Unbeliebt macht sich die Robinie mit der Neigung ihrer Wurzeln, immer an jenen Ort zu streben, an dem der Boden schön luftdurchlässig ist. Steht sie in schweren und nassen Böden, drängen sie darum oft in die oberen Bereiche und machen sich dort äußerst breit. "Die Wurzeln haben oft den dreifachen Durchmesser der Krone", sagt Höcker. Und dann treiben aus den Wurzeln manchmal auch noch kleine Robinien aus, sogenannte Wurzelbrut. Ein Alptraum für alle Gärtner, die es ordentlich und gediegen mögen. Vielleicht haben die der Robinie ja ihren Beinamen verpasst.

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