Donnerstag, 20. Dezember 2012

Ginkgo Hermannstraße


Ort: Hermannstraße Ecke Ahmser Straße
Baumart: Ginkgo
Zeit: Juli 2012
Fotos: Meiko Haselhorst (NW)


Von Tinnitus und Goethe

IN HERFORD VERWURZELT (3): Ginkgo-Bäume - an der Werre echte Exoten

VON MEIKO HASELHORST (NW 20. Juli 2012) 

Vielleicht ist Goethe schuld. "Könnte sein, weiß ich aber nicht", sagt Uwe Höcker, der sonst immer so viel zur Geschichte der Herforder Bäume erzählen kann. Woher der stattliche Ginkgo an der Hermannstraße kommt, entzieht sich seiner Kenntnis. Fakt ist, dass besagter Dichterfürst von der Spezies so fasziniert war, dass er in seinem Wohnort Weimar ein Exemplar pflanzte. 1815 inspirierte ihn das Gewächs gar zu seinem Gedicht "Ginko biloba" .

Der Baum an der Hermannstraße ist einer von nur drei großen Gingko-Bäumen im ganzen Stadtgebiet. "Mehr kenne ich jedenfalls nicht", sagt Höcker, der sich als langjähriger Mitarbeiter des Garten- und Friedhofsamtes gut in der Herforder Botanik auskennt. "Am Pöppelmannwall haben wir mal eine ganze Reihe gepflanzt, aber die sind noch klein." Der Baum an der Hermannstraße hingegen ist ein Riese. "Der dürfte weit über 100 Jahre alt sein", schätzt Höcker. Ein Johann Wolfgang von Goethe als Impulsgeber ist also gar nicht so abwegig. "Bleibt aber Spekulation", sagt Höcker.

Gesichert ist folgende Geschichte: "Der Besitzer des Grundstücks wollte den Baum vor vielen Jahren fällen, weil er ihm irgendwie nicht in den Kram passte", plaudert Höcker aus dem Nähkästchen. Gott sei Dank habe der Mann die Behörde vorher von seinem Vorhaben unterrichtet. "Wir mussten ihm dann sagen, dass der Baum hierzulande unter Naturschutz steht. Außerdem greift in diesem Fall auch noch die hiesige Baumschutzsatzung", erklärt Höcker. Das Fällen des Baumes hatte sich damit erledigt. Der Ginkgo steht bis heute.

Seine Vorfahren wuchsen bereits vor fast 300 Millionen Jahren auf der Erde. Der Baum, der wegen seiner Frucht auch Silberpflaume genannt wird, bereitet Botanikern bei der Einordnung Kopfzerbrechen: Äußerlich ein Laubbaum, ist das lebende Fossil eng mit den Nadelbäumen verwandt. Vom Ginkgo gibt es männliche und weibliche Bäume - um sich fortzupflanzen, braucht es also wenigstens zwei Exemplare. "Die Früchte riechen nach Katzen-Urin", weiß Höcker. Was die Chinesen nicht daran hindere, sie als Delikatesse zu verspeisen.; In der fernöstlichen Philosophie gilt der Ginkgo als Verkörperung des Prinzips von Yin-Yang, der Zweiteilung allen Seins. Die Wirkstoffe werden in der Heilpflanzenkunde als Mittel gegen Durchblutungsstörung und Tinnitus eingesetzt.


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